4 Kommentare
  1. Walter Herter
    Walter Herter says:

    Guten Morgen..
    Dorothe, herzlichen Dank für Deine Anregungen.
    Ich erlaube mir hier, zwei Artikel, die vor ca einem Jahr geschrieben habe, zu verlinken: über das Flanieren und Staunen als sehr hilfreiche (seelische) Bewegungen für wirkungsvolles Handeln in der VUCA-Welt?!
    https://www.linkedin.com/pulse/flanieren-und-staunen-als-hilfreiche-seelische-f%C3%BCr-handeln-herter/
    https://www.linkedin.com/pulse/flanierg%C3%A4nge-2-die-einladung-zum-staunen-walter-herter/

    Ich freue mich immer Kommentare, Weiterdenken, Kontroverses…und neue Texte dazu

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    • Susanne Bauer
      Susanne Bauer says:

      https://www.peterherrmann.de/philosophie/bildungszukunft.html
      Hallo Hermann, s.o. der Link der funktioniert – anders gelang ich nicht auf Deinen Volltext ‚Bildungszukunft‘ gelangen 🙂 – Dein Beitrag ist stimmig, sinnvoll und überaus ‚zeitlos‘ im Sinne von ‚ja‘, es stimmt, daß wir uns immer wieder über Wissen und Nichtwissen fragen sollten, denn beides ist hier, und es sind wir selbst, die sowohl wissen als auch nicht(s) wissen :-)! Herzlich in die Winter- und Neujahrszeit, Susanne

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  2. Dorothe Liebig
    Dorothe Liebig says:

    Das Staunen als Voraussetzung für Erkenntnisprozesse
    „Daß es mir oder allen so scheint, daraus folgt nicht, daß es so ist.“
    Wittgenstein über Gewißheit

    Lenke ich bei Beratungsprozessen meine Aufmerksamkeit von den Inhalten auf mich als Hörerin, bemerke ich, daß aus dieser Perspektive Eigenschaften, die ich in Inhalten zu finden glaube, in mir als Hörerin begründet sein könnten. Verstehen scheint nicht allein aus meinem Registrieren von Gehörtem zu entstehen. Ich muß es gleichzeitig innerlich strukturieren, zu meinen vorhandenen Landkarten in Bezug setzen. Um wahrzunehmen und zu verstehen ist Aktivität auf meiner Seite notwendig.
    Aus dieser Perspektive begreife ich die Dinge unterschiedlich, je nach dem, welche meiner vielen Fähigkeiten ich benutze:

    Ordnung: die Kürze der Beschreibung einer Mannigfaltigkeit oder die Fähigkeit, Komplexität zu reduzieren. Gelingt mit Hilfe von Umdeutungsaktionen, die Ausblendungen ermöglichen. Bsp. Ausnahmen bestätigen die Ordnungsregel.
    Bekanntheit: die Schnelligkeit des Wahr-nehmens oder „Für-wahr-nehmens“, Verkürzung, die Fähigkeit komplexe Inhalte schnell in vorhandene Landkarten einzubauen. Gelingt mit Hilfe von Aktionen, die helfen, Zeit zu gewinnen, wie „Andere Perspektiven vermeiden“ oder „Kontextabhängigkeit negieren“. „Das ist nichts Neues!“ ist dabei eine Interaktion mit anderen epistemologischen Subjekten, die Diskussionszeit verkürzen hilft.
    Unverständlichkeit: Entschleunigung im Wahr-nehmen, Sperrigkeit, die Fähigkeit, durch Komplexität erzeugte Unsicherheit auszuhalten, ist Voraussetzung für Erkennen, führt zu naiven Fragen, Erkenntnisfragen. Wenn uns etwas entgegenstand, wissen wir etwas vom Gegen-stand. Kann erzeugt werden durch Aktionen wie „Perspektivwechsel“, „Kontextwechsel“ oder mit „Als-Ob-Aktionen“ siehe Columbo-Technik. Eng verbunden mit „Neuheit und Nützlichkeit“.
    Neuheit: meine Fähigkeit, Perspektiven einzunehmen, die mir das, was ich wahrnehme neu erscheinen lassen. Entsteht durch Hinterfragen von scheinbar Bekanntem und das Fokussieren auf die Elemente, die mir unverständlich erscheinen (siehe oben).
    Eng verbunden mit dem Phänomen des Staunens.
    Nützlichkeit: Fähigkeit, Wahrgenommenes in Bezug zu setzen auf seine mögliche Relevanz für Handlungen zur Zielerreichung. Eng verbunden mit dem Phänomen „Aha-Effekt“.

    In fremden Ländern
    Die Art zu Kochen kenne ich, sagte der Missionar erleichtert
    als der Kannibale ihn zum Kochtopf führte.

    Die wirkliche Welt offenbart sich dort, wo unsere Konstruktionen scheitern, lese ich bei Maturana. Staunen entsteht nur dann, wenn ich die Fähigkeit habe, meine Wissenskonstruktionen scheitern zu lassen. Mir nicht sofort alles Wahrgenommene als schon bekannt einzuverleiben, nicht mein Wissen zu betonen, sondern neugierig auf die Elemente zu sein, die ich auch anders sehen könnte. Staunen begrüßt das Unverständliche als die Gelegenheit Erkenntnisse zu gewinnen. Vielleicht ist es einfach eine positive Art der Unsicherheit.

    Auswirkungen von nützlichen imaginären Annahmen beim Hören von Vorträgen:
    Die „Columbo-Strategie“ könnte für erfahrene Berater nützlich sein.
    Vielleicht macht es Sinn von Zeit zu Zeit die Perspektive des Unwissenden einzunehmen. Durch die Realität zu stolpern und Fragen zu stellen. Vielleicht behalten wir durch die Fähigkeit zu Staunen, die Möglichkeit Neues zu Erkennen. indem wir Altbekanntes neu verbinden. Vielleicht nehmen unsere internen Möglichkeiten zur Erzeugung neuer Realitäten zu, wenn wir so tun, „als-ob wir nicht nicht wüßten“.
    …zumal wir Wissenden doch nicht wirklich wissen, sondern erfinden.

    Nichts ist für immer und nichts ist umsonst!
    Extrabreit featuring Harald Juhnke

    Dorothe Liebig, Dezember 2020

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