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Die Gegenwart ist Zukunft

Beitrag von Angelika Ramer

Ein Nachmittag Ende Oktober, es wird bereits etwas dunkel draussen und ich arbeite online mit einem kleinen Team. Es geht um die Verankerung von Werten in der mündlichen und schriftlichen Kommunikation im Versicherungsbereich.

Wir unterhalten uns, schreiben Chats und auf einmal ist da die Frage, die vieles in Bewegung bringen wird. «Wie erinnern wir Ärztinnen und Ärzte daran, uns ihre medizinischen Gutachten einzureichen?» Scheint ein Problem zu sein, denn die Doktoren halten sich nicht an Fristen – das Team ist verärgert deswegen. Ich frage, wie es die Gruppe bis heute macht. Textbausteine und Satzfragmente tauchen im Chat auf. Viel alt Bekanntes mit «haben», «leider», «festgestellt», «wenn nicht, dann…»

«Klingt blöd, vorhaltend und ist einfach ermüdend», sagt ein Kollege. Wir stimmen zu. Die Gruppe bitte ich, die Erinnerung mal ohne Vergangenheit und Ärger zu formulieren.

Das dauert ein wenig und lässt unseren Nachmittag etwas länger werden. Plötzlich sind neue Ideen da, es frischt auf in der Gruppe. Sie packt die Erinnerung an das Gutachten in den Titel, startet so, als würde sie mit ihrem Gegenüber telefonieren. Und sie sprecht davon, was sie erreichen möchte für die Kundin, den Kunden. Am Ende ein Dankeschön. Und ein Beschluss. Das Team möchte seine Kommunikation auf die Gegenwart und Zukunft ausrichten – ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Feines bewegt viel, jeden Tag. An diesem Nachmittag ist es die Bereitschaft, den Blickwinkel zu verändern.

 

1 Antwort
  1. Walter Herter
    Walter Herter says:

    Danke, Angelika, für dieses Beispiel.
    Ja, das Festhalten an Erfahrungen aus der eh nicht mehr veränderbaren Vergangenheit… Und in Deinem Beispiel, wie so oft, kommt die alte Erfahrung der Ohnmacht und des Ärgers „verdeckt/versteckt“ auf in den „Vorwurfs“-Formulierungen.
    Dieses Festhalten erkennen, sich davon verabschieden – öffnet den Blick für einen neuen „einladenden“ Möglichkeitsraum.
    Und erinnert mich an meine alte Zeit in der Werbung. Mein damaliger Chef Michael Noffke, ein wunderbarer Mensch: „Texte schreiben – ist wie Liebesbriefe schreiben…“

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